Ein emotionales Jahr

„Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen…“

Aus dem tiefsten Gefühlskuddelmuddel schreibe ich diesen Beitrag: staunend, schaudernd, dankbar und froh über unser Löwenherz, das vor einem Jahr zur Welt kam. Viel zu leicht und irgendwie rausgerissen in diese Welt, und doch schon damals in all seiner Zartheit wunderschön und stark.

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Wenn ich hineinlese in meine Notizen aus dieser Zeit und in die nüchternen Berichte aus der Klinik, dann wird mir beinahe übel: Man, war das knapp! Dass wir heute den ersten Geburtstag unseres Jüngsten feiern können, ist absolut keine Selbstverständlichkeit. Mit all den medizinischen Fachbegriffen, seltsamen Werten und ungeklärten Komplikationen im Hinterkopf, wird mir einmal mehr bewusst, was für ein Wunder dieses Kind ist – und jedes Kind.

Wir sind sehr froh, dass er so wohlbehalten  bei uns angekommen ist. Das schrieben wir vor einem Jahr unseren Freunden und Verwandten, all denen, die uns in Gedanken und Gebet verbunden waren. Und es gilt auch heute: Wir sind so froh, dass er wohlbehalten bei uns ist, dass er spielt und lacht, seinen Bruder anhimmelt und durch die Gegend robbt, dass er sich entwickelt, ganz in seinem Tempo. Wir sind so froh, dass er sich Nähe einfordert, dass er uns an unsere Grenzen bringt, dass er weint und – ganz Einjähriger – seit Neuestem so richtig wütend wird, wenn ihm etwas nicht passt. Selbst all diese zuerst anstrengenden Kleinigkeiten sind beim genaueren Hinsehen für mich ein Glücksfall: Wie schön, dass unser Alltag so normal ist, dass ich ab und zu aus tiefstem Herzen genervt bin von dem ganzen Tohuwabohu.

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Am heutigen vierten Dezember gibt es einen Brauch, denn es ist Barbara-Tag. Wer heute einen Zweig (vom Obstbaum zum Beispiel) mit in die Wohnung nimmt, sieht diesen mit etwas Glück an Weihnachten erblühen. An diesen Brauch mussten wir schon vor einem Jahr denken und nahmen ihn als ein schönes Sinnbild für unseren Jungen, der eben auch eine kleine Barbara ist – und blühen wird, trotz aller widrigen Umstände. Unser Zweig heute ist ein Fundstück von Papa und Wirbelwind, auch wenn unser großer Sohn zunächst verkündete: „Es gab keinen Rhabarber!“

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Berührt bin ich heute, dankbar und froh. Längst ist nicht alles vergessen, wenn auch manches verblasst. Gerade wenn meine Gedanken zurück zu den ersten Krankenhauserfahrungen gehen – und ich von Gewalt in der Geburtshilfe lese – bin ich noch sehr verletztlich. Und doch tut es gut, an all die guten Begegnungen seither zu denken und ein klares Nein zur unausgesprochenen Schuldfrage zu hören. Mein Herz ist voll an diesem Tag – so geht es wohl den allermeisten Eltern am Geburtstag ihres Kindes. So manches geht mir nah und eigentlich ganz leichte Lieder lassen mich schlucken:

„…Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst…“

 

Jetzt lehne ich mich zurück, blicke nach vorn in das nächste Jahr mit unseren Rabauken. Ich lege die Beine hoch, schnappe mir meinen Tee und erinnere mich mit meinem Mann an all die schönen Momente zu viert.

Sag mir wie misst man ein Jahr?

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2 Gedanken zu “Ein emotionales Jahr

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