Es novembert. Auch in mir.

#bewusstnovembern – Danielas Idee, mein Beitrag.

 

Es novembert. Wir verbringen viel Zeit miteinander zuhause, immer wieder auch über Büchern und Fotoalben. Besonders der Kleinste liebt es, ein Album nach dem anderen anzuschauen und die bekannten Gesichter zu benennen.

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Mit dem Blick in Fotobücher sind immer auch kleine Zeitreisen verbunden – manchmal an Orte, die wir lange nicht besucht haben und sogar an Orte, an die uns heute absolut nichts hinzieht. Krankenhäuser, Intensivstationen.

Es novembert und geht auf den zweiten Geburtstag unseres kleinen Jungen zu. Geburtstage und Wachstumsschübe gehen ja gern mal Hand in Hand, sodass manche Tage uns besonders viel abverlangen. Aber es ist nicht nur diese Extraportion Nähe und Aufmerksamkeit (und die durchkommenden Eckzähne des Jüngsten) – da ist auch etwas in uns, in mir, das unruhig ist, sogar etwas, das schmerzt. Diese Zeit des Jahres bringt alles an Emotionen hervor, was uns auch vor zwei Jahren umgetrieben hat: Unsicherheit, Sorge und viele, viele Fragen.

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Was war das für eine Zeit? Wie anstrengend! Wie klein das Löwenherz doch war – und wie verletzlich. So klein, so zart – so stark und schön. All das ging mir in den ersten Tagen nach seiner Geburt durch den Kopf, wenn ich da am Inkubator saß. Ihn nicht berühren sollte, an den verhassten Blaulichttagen, die nötig waren, hilfreich, schon klar – und doch das Mutter- und Vaterherz tief treffen. Und das Kinderherz.

Nun glauben wir fest, dass die lange Zeit im Krankenhaus, alle getrennte Zeit und alle Leerstellen dieser Anfangszeit nicht endgültig sind. Nein, wir können jetzt und konnten schon früh, als der Kleine endlich zuhause war, Lücken schließen, die gerissen wurden und in dieser Extremsituation eben sein mussten. Jetzt gibt es kaum ein Müssen mehr, stattdessen sind wir einfach froh über den herbstlichen Alltag, und wollen ihn zulassen – auch mit allem Grau, allen Nachdenklichkeiten und emotionalen Wirrungen.

Diese Zeit des Jahres hat ihren Sinn. Wir müssen nicht vom Sommer in die Weihnachtszeit fallen oder den Advent vorverlegen – neulich blinkte mich doch wirklich Werbung für einen „Noventskalender“ an! Wie bitte? – nein, diese graue, stillere Zeit des Jahres schafft auch Raum für Gedanken und Gefühle, die wir sonst in aller Geschäftigkeit eher zurückdrängen. Alles hat seine Zeit. Wenn wir allem seine Zeit geben.

 

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N O V E M B E R

Alles hat seine Stunde.

Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben,

eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,

…eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen,

eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;

… eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,

eine Zeit zum Lieben…

Aus dem Buch Kohelet

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2 Gedanken zu “Es novembert. Auch in mir.

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