Wie ein Laserschwert!

Neulich war so ein Morgen, an dem sich schon kurz nach dem Frühstück der erste Clash zusammenbraute. Was als kleine Meinungsverschiedenheit unter Geschwistern begann, wurde schnell zu einem Streit, in dem die Fetzen flogen – zwischen dem Wirbelwind und mir. Und auf einmal in all seiner Wut pfeffert er mir einen Satz entgegen, der mich trifft:

„Kannst du nicht einfach mal deine Klappe halten?“

Wie bitte?!

Selbst in dem Moment, als der kleine Große unter Tränen diesen Satz sagt, weiß ich, woher er kommt. Gestern habe ich ihn selbst vorgelesen: In der schönen Madita-Geschichte sind die Kinder untereinander nicht zimperlich. Und obwohl ich also weiß, dass es ein Echo ist und kaum seine eigenen Worte, bin ich so überrumpelt, dass ich verletzt bin.

Einige Zeit nachdem die Kinder längst wieder friedlich miteinander spielen, machen wir uns alle fertig zum Losgehen. Kindergartenzeit. Als ich den Wirbelwind in diesen ruhigen Minuten vor dem Trubel anspreche, wird er nachdenklich und fragt nach, wie denn Worte weh tun können:

„Meinst du wie ein Laserschwert?!“

Ja, das trifft es doch eigentlich sehr gut. Wir entschuldigen uns beieinander – denn natürlich hat er nicht einfach Schuld an all dem Durcheinander, dass in diese Morgenstunden gepasst hat. Es tut gut, wieder versöhnt in den Tag zu gehen. Sich aneinander zu kuscheln und ins Wort zu bringen, dass es wieder gut ist. Dass wir auch im Streit Familie sind und bleiben. Es ist wichtig, das immer gültige Ich mag dich! zu wiederholen und zu bekräftigen.

Für mich selbst nehme ich aber auch noch etwas anderes mit, das ich gerade erst bei Julia Dibbern gelesen hab, die in ihrem Buch für die positive Einstellung zu Kindern (entgegen einer Angst vor kleinen Tyrannen) plädiert und konkret u.a. diese drei Tipps gibt:

1. Vertraue.

2. Sieh das Gute!

3. Nimm nichts persönlich.

Das ging dann wohl direkt an mich. Gerade in Streitsituationen und dann, wenn die Gefühle die Zunge führen, muss ich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Mach ich auch nicht. So sehr ich auch für mich und meine Grenze einstehen darf, so sehr kann ich davon ausgehen, dass unsere Kinder uns nicht absichtlich weh tun wollen. Manchmal treffen sie mit ihrem Verhalten genau unsere wunden Punkte. Aber für diese schon vorhandenen Wunden sind sie nicht verantwortlich. Im Gegenteil: Vielleicht ist es an mir, die ein oder andere Narbe nicht länger klaffen zu lassen, sondern behutsam heil zu  pflegen.

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L I E B E V O L L   I M   S T R E I T

Das Maß der Liebe ist die Liebe ohne Maß.

Franz von Sales

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Julia Dibbern: Die Tyrannenlüge. Warum unsere Kinder genau das sind, was die Welt von morgen braucht. Kösel-Verlag, München 2018

 

 

 

 

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